Kindergefängnis Bad Freienwalde n.e.V.

Mahnmal für das Kindergefängnis Bad Freienwalde kommt: Landrat und Politiker fast aller Parteien sichern Unterstützung zu

bad freienwalde 7019Der Vorsitzende des Vereins "Kindergefängnis Bad Freienwalde" Roland Herrmann und die Weimarer Liedermacherin Kathrin Begoin enthüllten heute im Beisein von ehemaligen Insassen vor dem DDR-Kindergefängnis in Bad Freienwalde symbolisch eine provisorische Gedenktafel. An der Aktion nahmen auch der stellvertretende Landtagspräsident Dieter Dombrowski (CDU), die SPD-Landtagsabgeordnete für Märkisch-Oderland Jutta Lieske, die Müncheberger CDU Politikerin Ingrid Pliske-Winter, sowie der Landesvorsitzende der Grünen Clemens Rostock und Landrat Gernot Schmidt (SPD) teil. Der Roland Herrmann übergab Gernot Schmidt eine Konzeption für ein dauerhaftes Mahnmal aus Stein. Nach Vorstellungen des Vereins soll die zukünftige Stele zwei Meter hoch sein und die Inschrift „Kindergefängnis 1968 bis 1987 – Wir werden nie vergessen – Die ehemaligen Insassen“ tragen.

Der Landrat des Kreises Märkisch-Oderland Gernot Schmidt (SPD) versicherte den Betroffenen, dass von Seiten des Kreises ein Bauantrag eingereicht werde. Einen konkreten Zeitplan könne Schmidt noch nicht angeben, aber es dauere bestimmt ein halbes Jahr, bis alles „durch“ sei. Um es für die Betroffenen nicht unnötig kompliziert zu machen, habe Schmidt sich prinzipiell bereit erklärt, die Kosten dafür zu übernehmen. Das Projekt könne aber auch durch Privatspenden oder das Land finanziell unterstützt werden. „Wir wollen gesellschaftliche Anerkennung dafür, dass uns Unrecht geschah. Ein Gedenkstein kann dabei nur ein erster Schritt sein“, sagte Roland Herrmann.

Nach Ansicht des stellvertretenden Landtagspräsidenten Dieter Dombrowski (CDU) müsse das Land Brandenburg mehr zur Aufarbeitung der DDR-Diktatur tun. Er würde es begrüßen, wenn die Landesregierung das Projekt der Gedenktafel unterstützen würde. Die SPD-Politikerin Jutta Lieske wolle die Diskussion um die Aufarbeitung auch in Bad Freienwalde vorantreiben. Jede Stadt habe „dunkle Flecken“ in der Vergangenheit, der es sich zu stellen gilt. Lieske kündigte spontan an, in ihrem Bürgerbüro eine Sammelbox zur Unterstützung des zukünftigen Mahnmals aufzustellen. „Die gesellschaftliche Auseinandersetzung und Anerkennung des Leids der Betroffenen fand bislang kaum statt. Mit der öffentlichen Diskussion um das ehemalige Kindergefängnis und der Gedenktafel kann hierzu ein Beitrag geleistet werden“, sagte der Landesvorsitzende des Bündnisgrünen Clemens Rostock. Trotz Einladung kam Justizminister Stefan Ludwig (LINKE) am Freitagmorgen nicht nach Bad Freienwalde. „Wir haben noch nicht einmal eine Absage bekommen“, bedauerte Herrmann.

„In kleinen Schritten bewegt sich etwas. Dass heute Vertreter von CDU, SPD und Grünen anwesend waren, ist ein Zeichen aus der Politik, dass das Schicksal der zur DDR-Zeit inhaftierten Kinder nicht gänzlich egal ist“, resümierte Herrmann.

Zusammen mit der bündnisgrünen Landtagsabgeordneten Heide Schinowsky kämpft der Verein seit mehreren Jahren für ein Mahnmal. Die Grünenpolitikerin konnte leider nicht teilnehmen, bezeichnete aber die Zusage von Landkreis als einen „Meilenstein“. Anlässlich der Enthüllung schenkte Schinowsky Roland Herrmann zwei Skulpturen einer Künstlerin aus der Lausitz: „Bei der einen Figur sieht man die drückende Last der harten Zeit im Kindergefängnis. Die andere strahlt so eine große innere Kraft aus – die ich oft erlebe beim Umgang ehemaliger Heimkinder miteinander und ihrem Sich-nicht-unterkriegen-lassen“, sagte Schinowsky.

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