Kindergefängnis Bad Freienwalde n.e.V.

Besichtigungstour zu den Grenzanlagen

Die einst streng bewachten Grenzanlagen an der innerdeutschen Grenze sind heute Geschichte. In Lütkenwisch ist es Geschichte zum Anfassen, die jetzt eine Jugendgruppe innerhalb der Tour „Demokratie auf Achse“ erlebte.

40 Jugendliche sahen innerhalb der Tour

40 Jugendliche sahen innerhalb der Tour "Demokratie auf Achse" auch die ehemaligen Grenzanlagen bei Lütkenwisch. Quelle: Kerstin Beck

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Lütkenwisch

Nur diejenigen, die es damals hautnah erlebt haben, können es sich noch vorstellen, aber für jüngere Generationen ist es bereits Geschichte: dass es quer durch Deutschland eine Grenze gab.

Doch es ist Geschichte zum Nacherleben und zum Anfassen und für viele Jugendliche regelrecht furchteinflößender Art. Denn entlang der ehemaligen Trennungslinie gibt es inzwischen Denkmäler, die an diesen Abschnitt der deutschen Geschichte erinnern – und diese werden auf Initiative der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) von Jugendgruppen besucht.

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Ilse Dröge aus Jagel hat als Erinnerung dieses Bild gemalt: links der Jageler Friedhof vor dem "Zaun", vor dem ein Grenzführungsturm steht. Und vor allem hat die 85-Jährige die vielen Elbvögel nicht vergessen.  Quelle: Kerstin Beck

So führte kürzlich eine Tour namens „Demokratie auf Achse“ mit 40 Jugendlichen entlang der Denkmäler des ehemaligen Bezirkes Schwerin. Beginnend am Ratzeburger See, sind heute die ehemaligen Grenzorte Schlagsdorf und Dutzow nur noch Erinnerungsorte.

Erinnerungsorte an der einstigen Grenze

Südlich davon schließt sich der ehemals durch die Grenze geteilte Schaalsee an und wiederum südlich davon die ehemaligen Grenzübergangsstellen Gudow-Zarrentin und Büchen-Schwanheide sowie Lauenburg-Horst.

Der letzte Erinnerungsort im Bezirk Schwerin ist Lütkenwisch. Hier befindet sich die erste und einzige Gedenkstätte des Landes Brandenburg – ein Zaunsegment mit einer Erinnerungstafel an den vor 44 Jahren in der Elbe zu Tode gekommenen Hans Georg Lemme aus Groß Breese bei Wittenberge.

Der 28-jährige Nils Witte sieht seine Reisefreiheit jetzt mit ganz anderen Augen

Der 28-jährige Nils Witte sieht seine Reisefreiheit jetzt mit ganz anderen Augen.Quelle: Kerstin Beck

Errichtet wurde das Mahnmal nicht am derzeitigen Ort des Geschehens, das wäre etwa 500 Meter elbaufwärts von Lütkenwisch gewesen, sondern dort, wo sich ein Platz für das Denkmal fand – direkt vor der Fährstelle Lütkenwisch-Schnackenburg. Das Zaun-Mahnmal befindet sich am Rand eines Parkplatzes, der inzwischen auch die Bezeichnung „Hans-Georg-Lemme-Platz“ trägt.

Organisiert hat die Fahrt Michael Schulz, UOKG-Beauftragter für den Bereich Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, und der das Denkmal mit Hilfe einiger Einwohner vor wenigen Jahren errichtet hat.

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Ohne Zaun ist es an der Elbe sogar im Winter schön. Hier ein Blick in Richtung Schnackenburg. Quelle: Kerstin Beck

„Es geht uns darum, dass dieser Abschnitt der Geschichte nicht vergessen wird. Und das Thema Flucht ist hochaktuell wie nie zuvor. Wir möchten zeigen, wie wichtig es ist, dass Geflüchtete eine neue Heimat bekommen können“

Die 40 Jugendlichen zeigten sich angesichts des Schicksales des jungen Prignitzers, der am 19. August 1974 hier so tragisch ums Leben gekommen war, erschüttert. „Das muss für die Angehörigen ganz schwer zu verarbeiten gewesen sein, was hier geschehen ist“, meinte Nils Witte.

Der gebürtige Kyritzer ist 28 Jahre alt. „Es ist für uns interessant, zu sehen, wie wir jetzt die Freiheit haben, von Ratzeburg hierher ganz ohne Probleme zu kommen“, sagte der Lehrer am Fritz-Greve-Gymnasium (Mecklenburg-Vorpommern).

Gedenkminute für die Flüchtlinge

So gab es auch eine Gedenkminute an den jungen Flüchtling, der hier sein Leben hergeben musste. Doch es gab auch noch weitere Informationen von Michael Schulz: „Wir werden in elbaufwärts in Mechow eine weitere Gedenkstätte an einen ums Leben gekommenen Flüchtling aufbauen.

Und dann werden diese Erinnerungsstätten eingebunden ins „Grüne Band“, wo sie dann auch für Touristen, die sich für die Natur interessieren, ins Blickfeld gebracht werden. Das ist für uns alle wichtig, denn diese Denkmale zeigen doch, dass wir die Freiheit brauchen, um Grenzen überwinden zu können“ so Michael Schulz.

Von Kerstin Beck

Eine Gedenkstätte erinnert seit Donnerstag an Rainer Burgis aus Stappenbeck, der auf der Flucht erschossen wurde. Foto: Schwarz

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Eine Gedenkstätte erinnert seit Donnerstag an Rainer Burgis aus Stappenbeck, der auf der Flucht erschossen wurde. Foto: Schwarz

Mechau. Unweit von Mechau, in Richtung Bockleben, erinnern ein Stück der ehemaligen Grenze sowie eine Gedenktafel an die Ereignisse vom 15. Oktober 1978, als Rainer Burgis aus Stappenbeck beim Versuch, die Grenzanlagen zu überwinden, getötet wurde. Errichtet wurde die Mahn- und Gedenkstätte von der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) sowie durch den BUND Sachsen-Anhalt und das Projekt Grünes Band. Wie Dieter Leupold (Grünes Band) während der Gedenkfeier am Donnerstag betonte, sei das Grüne Band nicht nur ein Naturbiotop, sondern es soll auch an die Opfer an der innerdeutschen Grenze erinnern. „Wir wollen aufzeigen,wie brutal die Grenze war. Das Grüne Band bildet eine gute Verbindung vom einstigen Todesstreifen zur heutigen Lebenslinie“, betonte Leupold. Michael Schulz von der UOKG erklärte, dass es das erste Denkmal seines Verbandes in Sachsen-Anhalt sei, dem noch viele folgen sollen. Geplant sei auch ein nationales Denkmal bei Lenzen. Um die Jugend an die jüngere deutsche Geschichte heranzuführen, beabsichtigt Michael Schulz, im September eine Gedenkfeier mit Politikern, Künstlern und Schülern am Mechauer Mahnmal zu organisieren. Dazu will er neben Künstlern aus der Region auch Schülerinnen und Schüler aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen zum Mitmachen gewinnen.

 

 

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