Kindergefängnis Bad Freienwalde n.e.V.

Todesfälle im DDR-Kindergefängnis Bad Freienwalde sollen untersucht werden

RH EHoenicke 1010054Der Verein "Kindergefängnis Bad Freienwalde" spricht sich für eine Untersuchungskommission des Landes Brandenburg zur Klärung der Todesfälle von Kindern und Jugendlichen im ehemaligen DDR-Durchgangsheim aus. Ein entsprechendes Gesuch richtete der Vereinsvorsitzende Roland Herrmann am Donnerstagabend bei einem Treffen von DDR-Opferverbänden in der Brandenburger Staatskanzlei an Ministerpräsidenten Dietmar Woidke. Herrmann übergab dazu eine Nachbildung des Grabsteines von Egon Hönicke, der im Jahr 1971 im Alter von 16 Jahren nach nur zwei Tagen in Arresthaft und bis heute ungeklärten Umständen zu Tode kam. Neben Hönicke sind dem Aufarbeitungsverein mindestens zwei weitere Todesfälle bekannt.

"Bis heute sind die Umstände vollkommen ungeklärt. Waren es Morde oder Selbstmorde? Kein Mensch stirbt einfach so! Die Familien wissen bis heute nicht, wie ihre Kinder zu Tode kamen. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass die Täter bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Wenn ein Mensch stirbt, muss das aufgeklärt werden", sagt Herrmann: "Wir plädieren dafür, dass das Land Brandenburg eine Untersuchungskommission einsetzt und den Tod von Kindern und Jugendlichen während ihrer Haft in Bad Freienwalde untersucht. Die Todesfälle von Egon Hönicke und den anderen  dürfen nicht ungesühnt bleiben", erklärte Herrmann in der Staatskanzlei.

Eine Vertreterin aus dem Wissenschaftsministerium regte auf dem Treffen an an, hierzu einen Forschungsauftrag beim Zentrum für zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) auszulösen. Der Verein will sich jetzt mit der aufarbeitungspolitischen Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion Heide Schinowsky treffen, um weitere Schritte zu beraten.

Wissenstand Egon Hönicke (17.11.1955 - 06.11.1971)

Im Jahr 1971 hatte Egon gemeinsam mit einem Freund irgendwelchen Blödsinn angestellt - wie es viele Jugendliche taten und auch heute noch tun. Daraufhin wurde er durch die Polizei von zu Hause abgeholt und in das Kindergefängnis nach Bad Freienwalde gebracht. Wie jeder, der dort eingeliefert wurde, kam auch Egon für drei Tage in den Arrest - drei Tage Einzelhaft. Am zweiten Tag war Egon Tod - Den Eltern wurde nicht gesagt, was passiert ist. Die Polizei übernahm alles was die Beerdigung anbetraf bis hin zum Grabstein.  Egon Hönicke wurde nur 15 Jahre alt.

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