Kindergefängnis Bad Freienwalde n.e.V.

Todesfälle im Kindergefängnis: Amt braucht zwei Jahre für die Entscheidung Akteneinsicht auf 2031 zu vertagen - Verein prüft Strafanzeige

EH SterbeurkundeFast zwei Jahre braucht das Kreisarchiv Märkisch-Oderland für eine Ablehnung eines Gesuches auf Akteneinsicht. "Eine von Ihnen gewünschte Einsicht in die Akte wäre allerdings erst Im Jahr 2031 möglich, da hier weitere Personen erwähnt sind, deren personenschutzrechtlichen Belange erst 60 Jahre nach Schließung der Akte aufgehoben werden können", teilte das Amt am 22. März 2018 mit. Vereinssprecher Roland Herrmann spricht von einem "skandalösen Verhalten. Man bekommt den Eindruck, der Personenschutz steht über dem Todesfall eines Jugendlichen". Ein Verwandter des in Haft verstorbenen Jugendlichen Egon Hönicke wandte sich bereits am 15. Dezember 2016 an das Amt. Warum das Amt so lange mit der Ablehnung zögerte, ist unklar.

RH EHoenicke 1010054"Selbst wenn die Behörde sich im Recht meint, so kann man mit Menschen nicht umgehen. Es ist ein Jugendlicher unter unklaren Umständen zu Tode gekommen. Kein Jugendlicher stirbt einfach nur so. Ob es Mord, Totschlag oder sträfliches Versagen der Aufsichtspflicht war, ist nicht bekannt. Es kann nicht sein, dass die möglichen Täter immer noch unbehelligt sind", sagt Roland Herrmann. Ungereimtheiten gibt es im Fall Egon Hönicke mehr als genug. Warum bezahlte die DDR-Polizei schnell und unbürokratisch den Grabstein? Warum wurde den Eltern keine Auskunft über die Umstände des Todes ihres noch minderjährigen Kindes während der Haft gegeben? Und warum wird heutzutage der Wohnort von Egon Hönicke in Hennickendorf als Todesort angegeben, wenn auf der Sterbeurkunde Bad Freienwalde angeben ist? Der Verein will nun eine Strafanzeige gegen Unbekannt prüfen, um Ermittlungen im Fall Hönicke in Gang setzten. "Der Rechtsstaat hat die Pflicht und Schuldigkeit, in diesem Fall zu ermitteln", meint Herrmann.Der Verein "Kindergefängnis Bad Freienwalde" spricht sich für eine Untersuchungskommission des Landes Brandenburg zur Klärung der Todesfä

lle von Kindern und Jugendlichen im ehemaligen DDR-Durchgangsheim aus. Ein entsprechendes Gesuch wurde bereits am 22. März 2018 in der Brandenburger Staatskanzlei an Ministerpräsidenten Dietmar Woidke übergeben. Neben Hönicke sind dem Aufarbeitungsverein mindestens zwei weitere Todesfälle bekannt.Die Landtagsabgeordnete Heide Schinowsky sicherte dem Verein zu, sich für eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Todesfälle einzusetzen.

Hintergrund

Wissenstand Egon Hönicke (17.11.1955 - 06.11.1971)
Im Jahr 1971 hatte Egon gemeinsam mit einem Freund irgendwelchen Blödsinn angestellt - wie es viele Jugendliche taten und auch heute noch tun. Daraufhin wurde er durch die Polizei von zu Hause abgeholt und in das Kindergefängnis nach Bad Freienwalde gebracht. Wie jeder, der dort eingeliefert wurde, kam auch Egon für drei Tage in den Arrest - drei Tage Einzelhaft. Am zweiten Tag war Egon Tod - Den Eltern wurde nicht gesagt, was passiert ist. Die Polizei übernahm alles was die Beerdigung anbetraf bis hin zum Grabstein. Egon Hönicke wurde nur 15 Jahre alt.

Download Sterbeurkunde und Schreiben von der Kreisverwaltung Märkisch-Oderland: https://www.kindergefaengnisbadfreienwalde.de/images/Sammelmappe_Egon-Hoenicke.pdf

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